Stress nach der Wahl in Thüringen

Berlin: Demonstranten protestieren vor der Bundesgeschäftsstelle der FDP gegen das Verhalten der FDP bei der Wahl des Fraktions- und Landesvorsitzender der FDP in Thüringen zum Ministerpräsidenten des Bundeslandes

Stress nach der Wahl in Thüringen

Vor der Wahl des Ministerpräsidenten hatte noch niemand damit gerechnet, dass danach alle Zeitungen über das Bundesland Thüringen berichten.

Wahl in Thüringen

WDR 5 KiRaKa ohne Download 06.02.2020 01:21 Min. Verfügbar bis 29.01.2021 WDR 5

Am Mittwoch wurde in Thüringen ein neuer Ministerpräsident gewählt, also ein neuer Regierungschef für das Bundesland. Mit dem Ausgang der Wahl hatte so allerdings wohl keiner gerechnet, denn am Ende wurde Thomas Kemmerich von der Partei FDP zum neuen Ministerpräsidenten gewählt.
Die FDP, das steht für Freie Demokratische Partei, hatte es bei der Wahl letztes Jahr allerdings nur ganz knapp überhaupt in den Landtag von Thüringen in der Stadt Erfurt geschafft. Im Landtag sitzen die Politikerinnen und Politiker, die die Menschen in Thüringen gewählt haben, damit sie wichtige Entscheidungen für das Land treffen.

Thomas Kemmerich von der FDP wurde gewählt

Eigentlich hatte die Partei „Die Linke“ bei der Wahl die meisten Stimmen bekommen. Zusammen mit der SPD und den Grünen haben die Linken auch schon einen Vertrag gemacht, in dem drin steht, welche Politik sie für Thüringen machen wollen. Damit dieser Vertrag auch hätte umgesetzt werden können, hätte gestern eigentlich Bodo Ramelow von den Linken, der bisherige Ministerpräsident des Landes, wiedergewählt werden sollen. Er hat bei der Wahl aber keine Mehrheit bekommen und nach einem komplizierten Verfahren ist dann im dritten Durchgang ganz knapp Thomas Kemmerich von der FDP gewählt worden. Und das mit den Stimmen der CDU, der FDP und auch der AfD, der Alternative für Deutschland.

Kemmerich gewann Dank der Stimmen der AfD

Und genau deshalb, also weil auch die Politikerinnen und Politiker der AfD für ihn gestimmt haben, wurde Kemmerichs Wahl heftig kritisiert. Der Partei AfD in Thüringen wird vorgeworfen, eine sehr „rechte“ Politik zu machen, zum Beispiel eine Politik gegen die Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen. Oder gegen die Religion Islam. Außerdem wird manchen AfD-Politikern vorgeworfen, dass sie – mehr oder weniger heimlich – den Nationalsozialismus gut finden. Von 1933 bis 1945 haben die Nazis Deutschland regiert und dabei viele Verbrechen begangen. Millionen Menschen kamen durch sie ums Leben.

Nach der Empörung kam der Rücktritt

Von Anhängern solcher Gedanken lässt man sich nicht wählen, haben heute viele Politiker, Wissenschaftler und Experten gesagt. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat von einem "unverzeihlichen Vorgang" gesprochen. In vielen Städten haben Menschen auch vor Parteibüros der FDP demonstriert. Der Druck war scheinbar so groß, dass Thomas Kemmerich inzwischen seinen Rücktritt angekündigt hat. Der thüringische Landtag soll aufgelöst werden und es soll Neuwahlen geben.

Stand: 06.02.2020, 17:54

Darstellung: