Venedig steht komplett unter Wasser

Touristen im Café mit Gummistiefeln

Venedig steht komplett unter Wasser

In Venedig steht die Altstadt unter Wasser. Das Hochwasser ist so schlimm wie seit Jahrzehnten nicht.

Venedig steht unter Wasser

WDR 5 KiRaKa Thema des Tages 14.11.2019 04:13 Min. Verfügbar bis 13.11.2020 WDR 5 Von Julia Muth

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Venedig an der Adria

Venedig ist eine ganz besondere Stadt im Norden von Italien am Mittelmeer. Adria heißt dieses Meeresteil. Venedig ist bei Urlaubern super beliebt. Jedes Jahr fahren Millionen Menschen dahin, weil Venedig nämlich etwas ganz Besonderes hat. Der alte Teil der Stadt hat fast keine Straßen, sondern Kanäle. Und da Autos auf Wasser nicht fahren können, schippern die Leute in Venedig mit Booten herum. Dazu gibt es dann Fußwege und Brücken. Die sind auf Holzpfählen gebaut und ragen soweit aus dem Wasser, dass sie nicht nass oder geflutet werden – eigentlich. Im Moment sieht das anders aus. Venedig wird nämlich gerade von Wassermassen überschwemmt.

Schlimmstes Hochwasser seit Jahrzehnten

Seit gestern steht der größte Teil der Altstadt Venedigs komplett unter Wasser. Eine starke Flut zusammen mit viel Regen und heftigem Wind hat sehr viel Wasser in die Kanäle gedrückt. Es war so viel, dass das Wasser mit aller Macht die Gassen und Gebäude überflutet hat. In viele Hotels, Geschäften und Restaurants sind die Wassermassen eingedrungen und haben alles verwüstet. Die Schiffe, Boote und Gondeln sind gegen Brücken und auf Plätze gespült worden und insgesamt sind riesige Schäden entstanden.  So ein Hochwasser ist für Venedig sehr ungewöhnlich. Ein bisschen Hochwasser gibt es da immer mal wieder. Aber so schlimm: Das gab es seit Jahrzehnten nicht mehr.

Venedig unter Wasser

In Venedig werden die Gassen und Plätze zurzeit von Wasser überflutet. Es ist das größte Hochwasser seit über 50 Jahren. Hier könnt ihr euch anschauen, wie es in der Stadt gerade aussieht.

Markusplatz

Hier seht ihr den Markusplatz. Es ist der bekannteste und bedeutendste Platz in Venedig. Normalerweise tummeln sich hier ganz viele Touristen, die sich die Markuskirche und den Platz anschauen. Und auch viele Tauben sind hier unterwegs.

Hier seht ihr den Markusplatz. Es ist der bekannteste und bedeutendste Platz in Venedig. Normalerweise tummeln sich hier ganz viele Touristen, die sich die Markuskirche und den Platz anschauen. Und auch viele Tauben sind hier unterwegs.

Wegen der Überflutung ist der Platz jetzt allerdings ziemlich leer. Auf dem Markusplatz steht das Wasser über einen Meter hoch.

Die Rialtobrücke gehört zu den bekanntesten Bauwerken in Venedig und führt über den Canal Grande. Das ist die Hauptwasserstraße, die quer durch die Stadt läuft. Auch hier sind eigentlich jede Menge Touristen unterwegs, die gerne ein Foto auf der Brücke machen möchten.

Doch auch hier ist alles überflutet. Die Stege, an denen die Gondeln anlegen, sind gar nicht mehr zu sehen und die Touristen tragen ihre Koffer durch das Wasser.

Diese Gondeln sind typisch für die Stadt Venedig. Die sogenannten Gondoliere fahren mit den Gondeln durch die Wasserstraßen der Stadt. Sie sind sehr beliebt bei den Touristen.

Hier sind viele Gondeln an einer Anlegestelle. Bei diesem Hochwasser fahren die Gondeln nicht mehr auf den Wasserstraßen, sondern bleiben an den Anlegestellen liegen.

Normalerweise liegen die Gondeln an den Pfählen in der ganzen Stadt verteilt. Touristen fotografieren sie auch gerne, da sie ein typisches Bild für Venedig sind.

Doch jetzt tritt überall das Wasser über die Ufer. Teilweise werden die Gondeln vom Wasser weggerissen, da es auch noch sehr windig ist.

Auch die Motorboote, die sogenannten Vaporetti, wurden teilweise vom Wasser weggeschwemmt und haben Holzpfähle aus dem Boden gerissen.

In Venedig gibt es öfter Überschwemmungen. Sobald die Stadt weiß, dass es wieder Hochwasser gibt, kann man drei bis vier Stunden vorher Sirenen in der Stadt hören. Dann gibt es einen Plan, nach dem Stege in der ganzen Stadt aufgebaut werden, damit die Menschen weiter zu Fuß durch die Stadt gehen können.

Die Venezianer kennen sich mit dem Hochwasser schon aus. Sie schützen die Eingänge mit Blechen und ziehen ihre Gummistiefel an. Auch Touristen können dann in der Stadt Überzieher für ihre Schuhe kaufen.

Wieso ist das normal, dass es in Venedig Hochwasser gibt?

Das hängt damit zusammen, dass die Altstadt von Venedig ja nicht nur am Mittelmeer, sondern eigentlich so gut wie im Mittelmeer liegt, nämlich in einer Lagune. Das ist eine Meeresbucht die zum offenen Meer hin nochmal mit mehreren schmalen Stücken Land abgetrennt ist. Ein bisschen wie ein Deich, der aber große Lücken hat, durch die das Meerwasser reinströmen kann. Wenn jetzt zu einer starken Flut viel Regen dazu kommt, dann wird auf einen Schlag viel mehr Wasser mit Wucht durch die Lücken gepresst. Das sorgt dann dafür, dass in Venedig das Wasser steigt. Und das passiert auch regelmäßig, weil die Stadt ziemlich tief liegt, nur einen Meter über der Meeresoberfläche. Es gibt berühmte Plätze, den Markusplatz, da steht regelmäßig Wasser drauf. Das Hochwasser jetzt ist deshalb so besonders schlimm, weil ein starker Wind dazu kommt. Der presst viel mehr Meerwasser in die Stadt als sonst. Das hat dazu geführt, dass das Wasser diesmal so extrem hoch gestiegen ist.

Wie geht’s den Menschen da?

Viele haben sehr viel verloren. Wer zum Beispiel ein Geschäft, Restaurant oder Cafe im Erdgeschoss hat, der konnte einfach gar nichts machen gegen die Wassermassen. Die kamen mit solcher Wucht und haben viel mitgerissen und zerstört. Möbel oder Dinge aus den Schaufenstern – alles wurde einfach weggespült.

Hilft denen denn jemand?

Die Regierung hat den Notstand ausgerufen und versprochen den Menschen zu helfen. Mit Geld erstmal. Aber es geht ja auch nicht nur um die Leute, die da leben. Venedig hat auch noch sehr viele Sehenswürdigkeiten, die jetzt in Gefahr sind und die unbedingt gerettet werden sollen. Der Dom steht zum Beispiel unter Wasser und viele Kunstwerke ertrinken richtig im Wasser. Experten haben auch noch Angst, dass die alten Gemäuer durch das Meerwasser so angegriffen und beschädigt werden, dass sie für immer kaputt sind.

Kann man denn irgendwas machen – also dass das beim nächsten Hochwasser nicht wieder so schlimm wird?

Die Italiener haben sich vor vielen Jahren schon eine Art beweglichen Schutzwall überlegt. So eine Art Flut-Tore, die sollen drei Eingänge an der Lagune im Notfall verschließen. Die Arbeiten an dem Wall laufen schon seit 15 Jahren und sollten eigentlich längst fertig sein. Jetzt haben viele Politiker versprochen, dass sie sich endlich darum kümmern wollen, dass der Flutschutz zu Ende gebaut wird.

Stand: 14.11.2019, 18:58

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