Roter Platz in Moskau

Wie reagieren die Menschen in Russland auf den Krieg?

Der Krieg in der Ukraine beschäftigt viele von euch. Ihr könnt uns weiterhin eure Fragen dazu schicken. Hier beantworten wir Nolas Frage.

Nola möchte wissen: "Wie findet die Bevölkerung in Russland, dass Putin die Ukraine angegriffen hat?"

Wie reagieren die Menschen in Russland auf den Krieg?

WDR 5 KiRaKa Thema des Tages 03.03.2022 04:34 Min. Verfügbar bis 03.03.2023 WDR 5 Von Niko Fischer


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Im Februar, noch kurz vor Beginn des Kriegs, wurde in Russland eine Umfrage gemacht. Dabei kam raus: Etwa 7 von 10 Russinnen und Russen finden gut, was Wladimir Putin als Präsident Russlands macht. Aber wie gesagt, die Umfrage war vor dem Krieg.

Viele Leute in Russland finden Putin gut

Seit einer Woche ist jetzt Krieg und da muss man sagen: Wir wissen es nicht genau, wie viele Leute in Russland diesen Krieg jetzt gut finden und wie viele nicht. Was man sagen kann: Es gibt zwei Lager.

Foto zeigt einen Bildschirm, auf dem Wladimir Putin während einer Fernsehansprache an die Nation in Russland spricht, 21.02.2022.

Eine Fernsehansprache von Wladimir Putin

Das eine Lager – und das ist ziemlich groß – sind die Leute, die das Vorgehen ihres Präsidenten unterstützen. Sie sagen: Putin musste so handeln. Die westlichen Staaten, also vor allem die USA und Europa, hätten ihn mit ihrer Politik sozusagen dazu gezwungen und er habe sich praktisch gar nicht anders verhalten können.

Das andere Lager sind vor allem (aber nicht nur) junge Menschen, die sagen: Was Russland da gerade macht, ist total doof. Diese Leute zeigen ihre Meinung zum Beispiel in den sozialen Medien im Internet oder sie gehen auch dafür auf die Straße. Und das ist sehr mutig. Weil man, wenn die Meinung dem russischen Staat nicht passt, dafür verhaftet werden kann.

Keine Meinungsfreiheit in Russland

Viele Leute, die sich getraut haben, öffentlich zu sagen "Der Krieg ist doof und Russland sollte damit aufhören" wurden von der Polizei verhaftet – teilweise auch mit ziemlich viel Gewalt. Der Staat will nicht, dass man sie sieht. Er will nicht, dass man die Bewegung gegen den Krieg sieht und dass sie größer wird.

In einer Menschenkette stehen Demonstrierende und halten eine ukrainische Flagge. Mehrere Hundert Menschen demonstrieren auf dem Neumarkt gegen den Angriff Russlands auf die Ukraine.

Eine Demo gegen den Krieg wie hier in Deutschland wäre in Russland verboten.

Das betrifft normale Leute, aber vor allem auch die Medien in Russland, also Fernsehsender, Radiosender oder Internetseiten. Die werden vom russischen Staat streng kontrolliert. Anders als bei uns können Journalistinnen und Journalisten in Russland nicht frei berichten. Es ist ihnen sogar verboten, das, was gerade passiert, überhaupt "Krieg" zu nennen.

Journalisten können nicht frei berichten

Weil das nicht in DIE Version der Ereignisse passt, die Russlands Präsident Putin gerne haben möchte und die er immer wieder erzählt. Laut Putin ist das kein Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, sondern eine gezielte militärische "Spezialoperation", so nennt er das. Bei den besonders stark umkämpften Gebieten in der Ostukraine spricht Putin sogar von einer "Friedensmission" – die russischen Soldaten sollen also den Frieden dorthin bringen.

Verwaltungsrat habe entschieden, "Echo Moskwy" und seine Internetseite zu schließen, teilte Chefredakteur Alexej Wenediktow mit, 03.03.2022.

Das ist der Chefredakteur des Radiosenders "Echo Moskwy"

Wer sich stattdessen traut, von "Krieg" zu schreiben oder zu sprechen, der wird dichtgemacht. Gerade erst ist einer der letzten unabhängigen russischen Radiosender vom Netz genommen worden. "Echo Moskwy" heißt der Sender. Er darf jetzt nicht mehr senden, weil er kritisch über den Krieg gegen die Ukraine berichtet hatte. Genauso ist es dem unabhängigen Fernsehsender "Doschd" ergangen. Auch ihm wurde vorgeworfen, angeblich "falsche Informationen" zu verbreiten. Und auch er wurde gesperrt.

Nur eine Sicht der Dinge

Das bedeutet aber auch: Sehr viele Menschen in Russland sehen und hören und lesen dann eben auch nur diese eine Sicht der Dinge, wie sie Putin gefällt. Viele westliche Infoquellen – journalistische Angebote, aber auch Facebook oder Youtube zum Beispiel – werden stark eingeschränkt. Videos, die Inhalte haben, die der Staatsführung nicht passen, sind in Russland nicht zu sehen.

Das ganze Gespräch zum Thema könnt ihr euch anhören, wenn ihr oben in der Tonspur auf den dreieckigen Play-Pfeil klickt.

Stand: 03.03.2022, 19:15 Uhr

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