Projekt Icarus - Vom Weltall aus Tiere beobachten

Projekt Icarus - Vom Weltall aus Tiere beobachten

Wenn es bei uns kälter wird, machen sich Zugvögel auf den Weg ins Warme. Solche Reisen machen auch viele andere Tierarten weltweit - aus unterschiedlichsten Gründen. Beim Projekt Icarus versehen Forscher Tiere mit Minisendern, um herauszufinden, wie sie wandern.

Martin im Halbdunkeln mit Flughund

Der Biologe Martin Wikelski erforscht dieses Verhalten der Tiere. Hier hält er gerade einen tropischen Flughund in der Hand. Ähnlich wie Fledermäuse in Deutschland sind Flughunde in der Dämmerung und nachts unterwegs. Sie fressen Pflanzen und sind durch ihre Bewegungen wichtige Helfer für die Natur. Wenn sie von einer Pflanze zur anderen fliegen, tragen sie nämlich Samen hin und her und bestäuben auch die Blüten, so dass die sich gut vermehren können.  

Der Biologe Martin Wikelski erforscht dieses Verhalten der Tiere. Hier hält er gerade einen tropischen Flughund in der Hand. Ähnlich wie Fledermäuse in Deutschland sind Flughunde in der Dämmerung und nachts unterwegs. Sie fressen Pflanzen und sind durch ihre Bewegungen wichtige Helfer für die Natur. Wenn sie von einer Pflanze zur anderen fliegen, tragen sie nämlich Samen hin und her und bestäuben auch die Blüten, so dass die sich gut vermehren können.  

Beim Flughund kaum zu erkennen: Er trägt solch einen kleinen, nur vier Gramm schweren Sender auf dem Rücken. Das Gerät schickt wie ein Handy Signale aus. So können Martin und sein Team vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie genau mitverfolgen, wo das Tier gerade herumfliegt. Der Sender tut nicht weh und stört nicht beim Fliegen.

Auch diese Störche tragen kleine Sender. Das erkennt man hier aber nur an den kleinen dünnen Drähtchen, die aus dem Gefieder herausragen. Sie sind besonders biegsam, damit die Störche nirgendwo hängen bleiben können und sich nicht verletzen. Störche sind Zugvögel und fliegen jeden Herbst viele tausend Kilometer von Europa bis ins wärmere Afrika – und im Frühling wieder zurück.

Auf der ganzen Welt sind ständig Tiere auf Reisen. Hier auf der Karte sieht man in rot die Wege von verschiedenen Tierarten weltweit. Manche suchen nach Futter, andere bringen ihre Kinder genau dort zur Welt, wo sie selbst geboren wurden. Auch Fische und Wale "wandern". Das sieht man an den roten Linien im Meer. Martin möchte das aber noch besser erforschen, deshalb hat er sich „Icarus“ ausgedacht. Das ist ein Tierbeobachtungssystem aus dem Weltall.

Und das ist die Antenne, mit der die Tiersignale jetzt im Weltraum empfangen werden. Ulkiger Weise sieht sie selbst ein bisschen aus wie ein Tier - mit dem langen "Rüssel" vorn und den beiden "Flügeln" links und rechts. Die Antenne wurde von Raumfahrtingenieuren in einem speziellen Labor hergestellt, in dem alles ganz sauber sein muss. Alle tragen deshalb einen Kittel, eine Haube auf den Haaren und Plastiküberzieher über den Schuhen. Nur ein kleines Staubkorn oder ein Metallsplitter auf der Antenne könnten später Probleme machen. Aber erst einmal im Weltall angekommen, ist es sehr schwer, Dinge zu reparieren.

Gleich geht´s ins los! Mit dieser Trägerrakete hat die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos die Antenne vor zwei Jahren zur Internationalen Raumstation ISS transportiert. Da haben Martin und sein Team sich riesig gefreut. Kosmonauten haben die Antenne bei einem Weltraumspaziergang draußen an der ISS festgeschraubt. Seit September 2020 empfängt sie die ersten Tiersignale und leitet sie gebündelt an ein Kontrollzentrum auf der Erde.

Zum Beispiel die Signale von dieser Amsel. Auch sie trägt einen kleinen Sender auf dem Rücken und hilft den Forscherinnen und Forschern bei der Arbeit. Amseln können richtig schöne Lieder zwitschern. Deshalb gehören sie zur Gruppe der Singvögel. Aber leider sind in den letzten Jahren auffallend viele Singvögel gestorben. Martin will wissen, warum und wie er das verhindern kann.

Deshalb haben Martin (ganz links), Ivan und Uschi, die auch zum Team vom Max-Planck-Institut gehören, über 5000 kleine Sender bauen lassen. Sie werden jetzt auf  Amseln und Drosseln befestigt, die in Europa, Russland und den USA leben. In den kommenden Monaten sollen so viele Informationen gesammelt werden: über die Amseln und auch über die Umwelt, in der sie leben. Das Wetter vor Ort wird zum Beispiel auch gemessen. Das hilft uns Menschen bei der Wettervorhersage.

Auch andere Tiere werden mit Sendern ausgestattet: Zum Beispiel diese Ziegen, die am Vulkan Ätna in Sizilien leben. Den Bauern dort ist aufgefallen, dass die Ziegen ganz unruhig werden und weglaufen, bevor der Vulkan ausbricht. Die Tiere merken das sogar schon viel früher als die Messgeräte, die Menschen dafür gebaut haben. Deshalb könnten die Ziegen die Menschen durch ihr Verhalten warnen, wenn man ihre Bewegungen genau beobachtet.

Und auch Schmetterlinge helfen Forschern wie Martin bei der Arbeit. Denn auch Insekten sind leider bedroht und werden weniger. Dieser wunderschöne Schmetterling ist ein sogenannter Monarchfalter. Und wer ganz genau hinschaut, entdeckt auch da das winzige Stück Draht, unten im Bild. Hier wurde der Sender am Schmetterling festgeklebt. Mit Wimpernkleber und ganz vorsichtig, denn die Forscher sind froh, dass die Tiere ihnen bei der Arbeit helfen.

Stand: 06.10.2020, 13:46 Uhr

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