Wolfman hilft: Recht auf Privatsphäre

Wolfman hilft: Recht auf Privatsphäre Du bist kein Werwolf 19.06.2016 05:44 Min. Verfügbar bis 19.06.2021 KiKa

Wolfman hilft: Recht auf Privatsphäre

Regt es dich auf, dass deine Eltern manchmal ohne Anklopfen einfach in dein Zimmer platzen? Dass sie ständig an deinen Klamotten rummeckern oder verbieten, dich alleine mit deiner Freundin oder deinem Freund zu treffen? Du suchst nach mehr Privatsphäre und fragst dich: Dürfen meine Eltern das überhaupt – und wo liegen da meine Rechte?

Recht auf Privatsphäre

Frau und Junge in der Küche, er sieht sie an

Wie viel Privatsphäre steht mir zu?
Zunächst einmal: Du hast ein Mitspracherecht!  …und nun das große ABER: Deine Eltern dürfen sich einmischen – zumindest, wenn es in ihren Augen wichtig und richtig für deine Erziehung ist. Deine Eltern haben das Recht und die Pflicht, dich „zu pflegen, zu erziehen, zu beaufsichtigen“ und deinen „Aufenthalt zu bestimmen“. So ist das im Bürgerlichen Gesetzbuch, kurz BGB (§ 1631 Abs. 2), festgesetzt.

Wie viel Privatsphäre steht mir zu?
Zunächst einmal: Du hast ein Mitspracherecht!  …und nun das große ABER: Deine Eltern dürfen sich einmischen – zumindest, wenn es in ihren Augen wichtig und richtig für deine Erziehung ist. Deine Eltern haben das Recht und die Pflicht, dich „zu pflegen, zu erziehen, zu beaufsichtigen“ und deinen „Aufenthalt zu bestimmen“. So ist das im Bürgerlichen Gesetzbuch, kurz BGB (§ 1631 Abs. 2), festgesetzt.

Was genau „richtig“ für deine Erziehung ist, wird vom Staat und dem Gesetz nicht vorgeschrieben. Das oberste Anliegen deiner Eltern sollte es sein, dich zu einer selbständigen, verantwortungsbewussten Person zu erziehen. Und hier darfst du mitsprechen – auch hinsichtlich deiner Privatsphäre. Denn auch das steht im BGB: „Bei der Pflege und Erziehung berücksichtigen die Eltern die wachsende Fähigkeit und das wachsende Bedürfnis des Kindes zu selbständigem verantwortungsbewusstem Handeln. Sie besprechen mit dem Kind, soweit es nach dessen Entwicklungsstand angezeigt ist, Fragen der elterlichen Sorge und streben Einvernehmen an.“ (§ 1626 Abs. 2)

Die „elterliche Sorge“ heißt eben nicht, dass sich deine Eltern immer nur um dich „Sorgen“ machen sollen. Die „elterliche Sorge“ ist ein feststehender Begriff, den man 1980 eingeführt hat. Damals sprach man noch von „elterlicher Gewalt“ – was man als überholt empfand. Die „elterliche Sorge“ soll heißen, dass die Eltern berechtigt und verpflichtet sind, sich um alle Angelegenheiten des Kindes zu kümmern. Deine Eltern haben ein Eltern(grund)recht bzw. eine Elternverantwortung für dich. Sie haften z. B. für ihre Kinder und sind dazu verpflichtet, zu sorgen, dass diese nicht sich oder anderen Schaden zufügen. Auch haben sie dafür zu sorgen, dass ihre Kinder nichts Verbotenes anstellen oder Straftaten begehen. Dazu gehören z. B. unter 18 Jahren in der Öffentlichkeit zu rauchen und hochprozentigen Alkohol zu trinken – andere Alkoholika wie Bier oder Wein sind ab dem 16. Geburtstag erlaubt.

Verhandeln!
Unter 14 Jahren
ist auch jegliche Sexualität strafbar. Diese Situation ändert sich erst mit dem 14. Geburtstag. Ab dann gilt: Solange sexuelle Handlungen im Einvernehmen geschehen, also von beiden Seiten gewollt, dann sind sie nicht mehr verboten. Eine Ausnahme besteht, wenn ein sexueller Partner ein „Schutzbefohlener“ ist, für den die andere Person eigentlich eine schützende Funktion einnehmen sollte. Ein/e Lehrer/in oder ein/e Betreuer/in im Ferienlager sind da z. B. zu nennen. Hier würde in jedem Fall von einem Missbrauch gesprochen werden und jeder Missbrauch – also auch in anderer Form – ist strafbar. Diese Regelungen dienen deinem Schutz. Im Fall der Sexualität zielen sie auf den Schutz der sexuellen Identität und der sexuellen Selbstbestimmung.


Neben diesen gesetzlichen Regelungen sollen deine Eltern in ihrer Erziehung ja aber auch Wert auf deinen wachsenden Wunsch nach Eigenverantwortung und Selbstständigkeit legen, wichtige Entscheidungen mit dir besprechen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Hier gibt dir das Gesetz ein eindeutiges Recht und es gilt nun mit Ehrlichkeit und Transparenz zu verhandeln. Denn das sprichwörtliche „letzte Wort“ haben immer deine Eltern. Wenn ihr euch nicht einigen könnt, müssen deine Eltern die Entscheidungen alleine treffen. Sie haben auch ein Umgangsbestimmungsrecht nach § 1632 Absatz 2 BGB und dürfen somit festsetzen, mit wem du dich treffen darfst und mit wem nicht.

Eltern wird von Gesetzes wegen zugerechnet, dass sie als deine persönlich, emotional und genetisch am nächsten stehenden Personen einschätzen können, was das Beste für dich ist. Durch ihre Lebenserfahrung sehen Erwachsene manche Gefahren oder Schwierigkeiten, an die Kinder und Jugendliche gar nicht denken würden. Und dennoch gilt: Willkürliche Eingriffe in deine Rechte sind nicht zulässig. Wenn Eltern ihr Recht auf Elternverantwortung missbrauchen oder das „Wohl des Kindes“ – also dein Wohl – in Gefahr ist, kann der Staat auch eingreifen. Jugendämter sind eine Adresse, an die man sich im Falle eines Falles wenden kann.

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