Wolfman hilft: Veränderungen im Gehirn

Wolfman hilft: Warum verstehen meine Eltern mich nicht? Du bist kein Werwolf 26.06.2016 06:03 Min. Verfügbar bis 26.06.2021 KiKa

Wolfman hilft: Veränderungen im Gehirn

Während der Pubertät wird dein Gehirn einer Kernsanierung unterzogen. Dadurch laufen Entscheidungs- und Denkprozesse auf einmal ganz anders ab, als bei nicht pubertierenden Personen. Kein Wunder also, dass du dich mit deinen Eltern manchmal nicht mehr so gut verstehst wie früher – ihr denkt aneinander vorbei. Hier kannst du weiterlesen, was im Gehirn während dieser Phase passiert.

Veränderungen im Gehirn

Szenenbild zu Veränderungen im Gehirn

Vorsicht Baustelle – Was passiert im Gehirn während der Pubertät?
Alles, was du sagst, fühlst, denkst, deine Entscheidungen, dein Handeln, aber auch deine Körperfunktionen wie deine Atmung, dein Gleichgewicht, deine Verdauung – all das und noch viel mehr wird von der Zentrale deines Körpers geregelt: dem Gehirn. Du kannst dir dieses komplexe Denkorgan wie ein verzweigtes Netzwerk aus vielen kleinen Nervenzellen vorstellen, die durch Kontaktstellen (Synapsen) miteinander verbunden sind. Über diese Nervenverbindungen werden Informationen weitergegeben, verarbeitet und schließlich auch gespeichert. Werden die Verbindungen oft gebraucht, verstärken sie sich.

Vorsicht Baustelle – Was passiert im Gehirn während der Pubertät?
Alles, was du sagst, fühlst, denkst, deine Entscheidungen, dein Handeln, aber auch deine Körperfunktionen wie deine Atmung, dein Gleichgewicht, deine Verdauung – all das und noch viel mehr wird von der Zentrale deines Körpers geregelt: dem Gehirn. Du kannst dir dieses komplexe Denkorgan wie ein verzweigtes Netzwerk aus vielen kleinen Nervenzellen vorstellen, die durch Kontaktstellen (Synapsen) miteinander verbunden sind. Über diese Nervenverbindungen werden Informationen weitergegeben, verarbeitet und schließlich auch gespeichert. Werden die Verbindungen oft gebraucht, verstärken sie sich.

In der Pubertät findet in deinem Gehirn nun ein riesiger Umbauprozess statt. Während man früher davon ausging, dass das Gehirn mit zwölf Jahren ausgereift sei, weiß man heute, dass sich hier erst nach diesem Zeitraum ein imposanter Vorgang vollzieht. Kurz vor bzw. zu Anfang der Pubertät erhält das Gehirn noch einmal einen enormen Wachstumsschub und bildet viele neue Verbindungen – nur um im Anschluss daran alles wieder umzuschmeißen: In der Zeitspanne der Umbauphase werden Milliarden von Zellen und Kontaktstellen im Gehirn eliminiert. Pro Sekunde werden dort bis zu 30.000 unbenötigte Nervenverbindungen gekappt!

Abgekapselt werden vor allem diejenigen Teile, die kaum oder gar nicht mehr benutzt werden. Wie eine große Baustelle kannst du dir das Gehirn in dieser Phase vorstellen. Und warum das Ganze??!! In der Forschung wird vermutet, dass sich das Gehirn so von allen störenden Informationen trennt, um sich mit einem Neustart auf das Erwachsenenleben vorzubereiten. Was du in der Phase der Pubertät lernst, bildet somit die Grundlage für dein weiteres Leben. Darum können Jugendliche z. B. auch viel einfacher und schneller als Erwachsene eine Fremdsprache oder ein Musikinstrument erlernen. In dieser Zeit steigert sich die Leistung eines jugendlichen Gehirns um das 3000fache!

Alles zu seiner Zeit
Die Umbaumaßnahmen laufen in den einzelnen Teilen des Gehirns unterschiedlich schnell ab. Zunächst reifen vor allem die Bereiche, die für die Wahrnehmungs- und Bewegungssteuerung zuständig sind –der sensorische (Wahrnehmung) und der motorische Cortex (Bewegung). Der Teil, der die Sprache und derjenige, der die räumliche und zeitliche Orientierung steuert, sind als Nächstes an der Reihe. „Cortex“ bedeutet übrigens so viel wie „Rinde“ und meint in der Medizin und der Anatomie die Außenschicht eines Organs (hier des Gehirns).

Der präfrontale Cortex (befindet sich an der Stirnseite deines Gehirns – daher stammt auch der Name) lässt sich sehr viel Zeit mit seinen Renovierungsarbeiten. Dieser Teil des Gehirns ist so eine Art Kontrollzentrum des Handelns und Verhaltens, das z. B. für das Überdenken und Abwägen von impulsiven Entscheidungen zuständig ist. Da sich dieser Bereich im Umbau befindet, wird – wie bei einer Baustelle – eine Umleitung gelegt und ein anderer Teil des Gehirns zu Rate gezogen: Die Amygdala (aufgrund ihrer Mandelform auch Madelkern des Gehirns genannt). Hier werden normalerweise Emotionen wie beispielsweise Wut oder Angst verarbeitet und reguliert. Die Entscheidungen, die nun in der Amygdala getroffen werden, sind daher eher emotional basiert und selten rational bestimmt.

Wissenschaftler vermuten, dass man in der Jugend daher oft risikobereit und impulsiv handelt – und gerne auch mal über die eigenen Grenzen hinaus schießt. Wenn du dich im Moment mit deinen Eltern nicht so gut verstehst, kann das also daran liegen, dass ihr auf ganz unterschiedliche Art und Weise denkt und euch daher oft auch einfach gar nicht richtig verstehen könnt.

In der Natur hat diese Entwicklungsphase einen sehr wichtigen Hintergrund. Bei unseren Vorfahren war die Pubertät als Zeit der Abgrenzung und der Risikobereitschaft überlebenswichtig. Damals wurden die Erwachsenen nicht so alt wie heute und es war daher wesentlich für die eigene körperliche, aber auch die soziale Entwicklung, sich von den Eltern abzukapseln. Auch heute noch hat die Pubertät den Zweck, sich emotional von den Eltern zu lösen und erwachsen zu werden.

Während der Pubertät wird das Hormon Melantonin (man nennt es auch „Wachmacher“-Hormon) täglich bis zu zwei Stunden später als sonst ausgeschüttet. Das ist der Grund weshalb du dich abends viel länger aktiv fühlst – und auch warum du morgens nicht mehr so gut aus dem Bett kommst. Dein kompletter Rhythmus verschiebt sich nach hinten.

Belohnungssystem außer Rand und Band
In Momenten des Glücks, z. B. nach einem Lernerfolg oder einer geglückten Handlung, wird im Gehirn der Botenstoff Dopamin (oder auch „Glückshormon“) ausgeschüttet. Dadurch verbreitet sich ein gutes Gefühl in deinem Körper. Man spricht hier von einem Belohnungssystem. Bei einem pubertierenden Jugendlichen befindet sich dieses Belohnungssystem im Gehirn ebenfalls im Umbau und funktioniert völlig anders als bei Kindern und Erwachsenen. Bis zu 30 Prozent der Zellen, die Glückbotenstoffe empfangen können (Rezeptoren), geht während der Pubertät verloren. Gerade deshalb bewertet man in diesem Zeitraum Situationen, die man vorher noch als glücklich oder aufregend empfunden hat, als total langweilig und ist ständig auf der Suche nach gesteigerten glücklichen Erlebnissen – damit das Dopamin weiterhin ausgeschüttet wird.

Während der gesamten pubertären Kernsanierung ist das Gehirn sehr verletzlich. Gerade der Gebrauch von Drogen kann unheimlichen Schaden anrichten und vor allem das Belohnungssystem des Gehirns für den Rest des Lebens durcheinander bringen.

Darstellung: