Wolfman hilft: Sorgerecht

Wolfman hilft: Sorgerecht

Die Trennung der eigenen Eltern zieht große Veränderung mit sich – zum Beispiel lebt man oft nicht mehr mit beiden Elternteilen gemeinsam zusammen. Das ist nicht leicht – weder für dich noch für deine Eltern. Damit du – zumindest was deine Rechte anbetrifft – den Durchblick behältst, haben wir uns für dich mal den Gesetzestext angeschaut.

Sorgerecht

Junge reckt Arme in die Luft, wirkt verzweifelt oder wütend

Scheidung – welche Rechte hast du?
Warum deine Eltern sich scheiden lassen, ist schwer zu beantworten und es gibt auch häufig nicht nur den einen entscheidenden Grund. Wichtig ist, dass du die Schuld für ihre Trennung nicht bei dir siehst!

Scheidung – welche Rechte hast du?
Warum deine Eltern sich scheiden lassen, ist schwer zu beantworten und es gibt auch häufig nicht nur den einen entscheidenden Grund. Wichtig ist, dass du die Schuld für ihre Trennung nicht bei dir siehst!

Sorgerecht
Im § 1626 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) heißt es, dass deine Eltern das Recht und die Pflicht haben, für dich zu sorgen. Sie sind also für dich verantwortlich und müssen bei allen Entscheidungen, die dich betreffen, überlegen, was für dich am besten ist. Das ändert sich im Normalfall auch nicht nach einer Scheidung. Sind deine Eltern nicht verheiratet, fällt in der Regel deiner Mutter das alleinige Sorgerecht zu. Es sei denn, dein Vater beantragt ein gemeinsames Sorgerecht. Ab und zu kann es vorkommen, dass nach einer Scheidung das Sorgerecht per Gerichtsbeschluss nur an ein Elternteil geht. Bist du 14 Jahre alt oder älter, kannst du dieser gerichtlichen Entscheidung widersprechen und hast sogar das Recht auf einen eigenen Anwalt.

Recht auf beide Eltern
Egal, ob deine Eltern vor ihrer Trennung verheiratet waren oder nicht: Du hast ein Recht, das Elternteil, mit dem du nicht zusammenlebst, zu sehen.
Das Gleiche gilt für andere Personen, die dir nahestehen wie z. B. deine Großeltern oder deine Geschwister. Auch das ist im § 1626 zu finden – diesmal im 3. Absatz.

Mitspracherecht
Und noch etwas steht im Sorgerechtsparagraphen: Deine Eltern sollen dich zu einer selbstständigen und verantwortungsbewussten Person erziehen.
Heißt im Klartext: du hast ein Mitspracherecht! Denn um deine Selbstständigkeit zu fördern, sollen dich deinen Eltern in ihre Entscheidungen mit einbeziehen und sogar ein „Einvernehmen anstreben“, sich also mit dir einigen.

Wolfmans Devise: Reden in der Krise!
Sag deinen Eltern deutlich, dass du leidest, wenn sie sich streiten. Teile ihnen mit, wie du dich dabei fühlst und auch, was du von ihnen jetzt erwartest. Manchmal wissen deine Eltern in dieser Trennungsphase selber nicht so richtig, wie sie mit der neuen Situation umgehen sollen. Umso wichtiger ist, dass du das Gespräch mit ihnen suchst. Nur wenn du ihnen deutlich sagst, wie es dir geht und was du dir vorstellst, können sie auch darauf reagieren. Ihr könnt so gemeinsam überlegen, was für dich und für sie die beste Lösung ist. Wenn du vorher das Bedürfnis hast, mit jemandem darüber zu reden, dann zieh einen Freund oder eine Freundin ins Vertrauen oder suche dir unabhängige Hilfe wie z. B. diese bewährte Telefonnummer:

Wichtige Paragraphen im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB)

§ 1626
BGB - Elterliche Sorge, Grundsätze
(1) Die Eltern haben die Pflicht und das Recht, für das minderjährige Kind zu sorgen (elterliche Sorge). Die elterliche Sorge umfasst die Sorge für die Person des Kindes (Personensorge) und das Vermögen des Kindes (Vermögenssorge).
(2) Bei der Pflege und Erziehung berücksichtigen die Eltern die wachsende Fähigkeit und das wachsende Bedürfnis des Kindes zu selbstständigem verantwortungsbewusstem Handeln. Sie besprechen mit dem Kind, soweit es nach dessen Entwicklungsstand angezeigt ist, Fragen der elterlichen Sorge und streben Einvernehmen an.
(3) Zum Wohl des Kindes gehört in der Regel der Umgang mit beiden Elternteilen. Gleiches gilt für den Umgang mit anderen Personen, zu denen das Kind Bindungen besitzt, wenn ihre Aufrechterhaltung für seine Entwicklung förderlich ist.

§ 1631 Inhalt und Grenzen der Personensorge
(1) Die Personensorge umfasst insbesondere die Pflicht und das Recht, das Kind zu pflegen, zu erziehen, zu beaufsichtigen und seinen Aufenthalt zu bestimmen.
(2) Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.

§ 1684 Umgang des Kindes mit den Eltern
(1) Das Kind hat das Recht auf Umgang mit jedem Elternteil; jeder Elternteil ist zum Umgang mit dem Kind verpflichtet und berechtigt.
(2) Die Eltern haben alles zu unterlassen, was das Verhältnis des Kindes zum jeweils anderen Elternteil beeinträchtigt oder die Erziehung erschwert. Entsprechendes gilt, wenn sich das Kind in der Obhut einer anderen Person befindet.

§ 1687 Ausübung der gemeinsamen Sorge bei Getrenntleben
(1) Leben Eltern, denen die elterliche Sorge gemeinsam zusteht, nicht nur vorübergehend getrennt, so ist bei Entscheidungen in Angelegenheiten, deren Regelung für das Kind von erheblicher Bedeutung ist, ihr gegenseitiges Einvernehmen erforderlich. Der Elternteil, bei dem sich das Kind mit Einwilligung des anderen Elternteils oder auf Grund einer gerichtlichen Entscheidung gewöhnlich aufhält, hat die Befugnis zur alleinigen Entscheidung in Angelegenheiten des täglichen Lebens.
Entscheidungen in Angelegenheiten des täglichen Lebens sind in der Regel solche, die häufig vorkommen und die keine schwer abzuändernden Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes haben.
Solange sich das Kind mit Einwilligung dieses Elternteils oder auf Grund einer gerichtlichen Entscheidung bei dem anderen Elternteil aufhält, hat dieser die Befugnis zur alleinigen Entscheidung in Angelegenheiten der tatsächlichen Betreuung.
§ 1629 Abs. 1 Satz 4 und § 1684 Abs. 2 Satz 1 gelten entsprechend.

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