Sportgeschichte

Sportgeschichte

Draisine und alte Räder im Zweirad- und Technikmuseum in Werder.

Der Radball verdankt seine Existenz der Legende nach einem ziemlichen Zufall: Im Jahr 1890 lief dem berühmten amerikanischen Kunstradfahrer Nicholas Edward Kaufmann ein Mops vor’s Fahrrad. Kaufmann war chancenlos, ihm auszuweichen. 'Rasch hob ich das Vorderrad und beförderte damit den Mops so sanft es ging aus dem Weg - mich vor einem Sturz rettend, das Tier vor Verletzungen', erinnerte er sich. Und das funktionierte so einwandfrei, dass der Radakrobat schon bald darauf sein 'Kunststück' einem großen Publikum vorführte. Als Mopsersatz präsentierte Kaufmann einen Poloball  und hatte einen anderen Kunstradfahrer, Jon Featherly, als Spielpartner an seiner Seite. Abgespielt hat sich das erste Radballspiel am 14. September 1893 im US-amerikanischen Rochester.

Ball und Ausschnitt von zwei Rädern in Halle.

Seither wurde Radball immer populärer, auch für das Publikum, denn gespielt wurde anfangs hoch zu Ross, auf dem 'American-Star-Bycicle', einem wirklich riesigen Rad, bei dem das kleine Hinterrad als Steuerrad nach vorne versetzt wurde. Die ersten radballspielenden Europäer waren die Berliner Brüder Paul und Otto Lüders. Ab 1901 machten sie Parkettböden oder ähnlich harte Untergründe unsicher. Meistens spielte man zwei gegen zwei, aber auch Sechserradball erfreute sich zunehmender Beliebtheit. 1930 war es soweit: Beide Disziplinen bekamen ihre erste Weltmeisterschaft. Die ersten Weltmeister im Zweier-Radball wurden die Leipziger Scheibe und Berndt und läuteten eine wirklich erfolgreiche Ära ein. Denn in seinen Anfängen war Radball, zumindest in der Zweier-Variante, wirklich 'das' Spiel der Deutschen! Bis 1957 dominierten sie die Wettkämpfe und besonders Brüderpaare machten sich immer wieder einen Namen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass man sich in der Hektik des schnellen Spiels blind verstehen muss.

Spielszene aus der Radball-Bundesliga.

Das wohl berühmteste Brüderpaar des Radballsports kam aus Tschechien und setzte der deutschen Überlegenheit ein jähes Ende. Von 1965 bis in die späten 1980er Jahre waren die Brüder Jan und Jindrich Pospisil so gut wie unschlagbar. Nur wenige Deutsche bekamen in dieser Zeit im Zweier-Radball hin und wieder einen Fuß auf den Boden. Nach der Ära Pospisil beherrschten weiterhin europäische Mannschaften, sowohl im Zweier- als auch im Fünfer-Radball, das Geschehen. Doch so langsam schwappte die Begeisterung für den akrobatischen Radsport auch nach Asien herüber. Hongkong durfte 1993 die ersten Weltmeisterschaften außerhalb Europas ausrichten.

Mittlerweile ist Radball eine hochprofessionale Sportart. Die Spieler wurden im Laufe der Jahre zunehmend athletischer und ihr Material immer leichter und dennoch stabiler. Frauen sind eher eine Seltenheit in der Radballszene. Dies liegt vor allem an der Härte des Spiels und der Kraft, die zum Schießen mit dem Rad benötigt wird. Daher wechseln viele Frauen vom Radball zum Radpolo.

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