Wann schiebt man etwas auf die lange Bank?

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Wann schiebt man etwas auf die lange Bank?

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Stellt euch vor, ihr müsst eine wichtige Entscheidung treffen oder ein Problem lösen - zum Beispiel eine komplizierte Matheaufgabe! Die ist so schwierig und nimmt viel zu viel Zeit in Anspruch. Doch die wollt ihr lieber für etwas Anderes nutzen. In Gedanken seht ihr aber den Zeigefinger eurer Lehrerin, die sagt: "Macht euch lieber gleich an die Arbeit und schiebt schwierige Aufgaben nicht auf die lange Bank!" Nur, was hat eine lange Bank mit eurer Matheaufgabe zu tun? Und überhaupt: Warum schiebt man etwas auf einer langen Bank herum?

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Die Redewendung "etwas auf die lange Bank schieben" benutzt man, wenn man ausdrücken will, dass jemand eine Sache sehr lange hinauszögert und bewusst aufschiebt, bevor er sie erledigt. Die Redensart stammt aus der Welt des Rechts und die lange Bank befand sich früher in einem Gerichtsaal. Sie stand direkt neben dem Richtertisch und auf ihr saßen die so genannten Schöffen. Sie hatten die Aufgabe, dem Richter bei der Aufklärung eines Falles zu helfen. Sie mussten den Angeklagten sehr ausführlich zu allen Einzelheiten befragen und wenn vor Sonnenuntergang noch kein Urteil gesprochen war, dann musste die Gerichtsverhandlung am nächsten Tag weitergeführt werden.

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Das ging so lange bis die Schöffen keine Fragen mehr hatten. Wenn aber Fragen offen blieben, musste der Richter so viele Verhandlungstage ansetzen, wie die Schöffen für nötig hielten. Sie bestimmten also die Dauer eines Verfahrens. Und wegen der Schöffenbank, auf der die Schöffen bis zur Urteilsfindung ausharren mussten, entwickelte sich die Redensart "etwas auf die lange Bank schieben" für Sachen, die längere Zeit in Anspruch nahmen.

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Manchmal wurde die Bank sogar noch länger. Denn wenn nicht alle Schöffen mit einem Urteil zufrieden waren, musste das Verfahren an ein höheres Gericht verwiesen werden. Dort gab es noch mehr Schöffen und dementsprechend eine noch längere Bank. Und wenn die vielen Schöffen sich nicht einig waren, dann dauerte ein Verfahren noch viel länger.

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Die Redensart hat aber noch eine zweite Bedeutung. Früher bewahrte man Gerichtsakten noch nicht in Schränken, sondern in Truhen auf und diese sahen einer Sitzbank sehr ähnlich. Das Wort "Truhe" war gleichbedeutend mit dem Wort "Bank". Landete ein Fall nicht direkt auf dem Richtertisch, sondern in der "Bank", dann konnte sich die Bearbeitung lange Zeit hinauszögern. Das Verfahren wurde also auf die lange Bank verschoben. Diese sprachliche Wendung hat sich bis heute erhalten. Wenn man also seine Matheaufgaben nicht sofort erledigen will und sie tagelang liegen lässt, dann schiebt man sie im übertragenen Sinne auf die lange Bank. Ah!

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