Wann türmt man?

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Wann türmt man?

Tuermen

"Der Bankräuber türmte mit seiner Beute!". Jeder versteht, was damit gemeint ist: Der Bankräuber ist abgehauen, geflohen, entkommen – und mit ihm das, was er geklaut hat. Was aber hat das Ganze mit einem Turm zu tun, oder ist die Wortgleichheit nur ein Zufall? Wer "Wissen macht Ah!" kennt, weiß, da steckt mehr dahinter!

Es gibt gleich zwei Geschichten, die erklären könnten, wo das Wort herkommt:

Tuermen

Und tatsächlich - Türme spielen bei beiden eine entscheidende Rolle. Dafür müssen wir bis ins Mittelalter zurückblicken: Damals gab es viele Burgen, auf denen Ritter und Fürsten lebten. Von dort aus beherrschten sie ihr Land. Jede Burg hatte einen hohen Turm, den so genannten Bergfried. Er sollte Feinde abschrecken und diente als Wachturm – von dort oben hatte man das Land nämlich gut im Blick.

Tuermen

Wurde die Burg trotzdem einmal angegriffen – so etwas kam ab und zu vor – mussten sich die Bewohner in Sicherheit bringen und flüchteten meistens in den großen Bergfried, wo sie so lange ausharrten, bis Hilfe kam. Und dieses in den Turm fliehen nannte man "türmen".

Eine weitere Erklärung ist diese:

Tuermen

Die meisten Städte im Mittelalter besaßen eine Stadtmauer mit vielen Türmen. In einem dieser Türme war oft das Gefängnis untergebracht. Dort mussten die Verbrecher auf ihre Bestrafung warten. Natürlich versuchten sie aus dem dunklen Turm auszubrechen und sich vor der Strafe zu drücken.

Tuermen

Ein günstiger Moment dafür war zum Beispiel, wenn die Wache schlief. Dann konnte der Verbrecher schon mal unbemerkt aus dem Kerker entwischen. Gelang ihm so die Flucht, war er "getürmt".

Tuermen

Also, egal, ob rein in den Turm oder raus aus dem Turm, mit "türmen" bezeichnete man damals eine Flucht vor Feinden oder vor Bestrafung. Heute meint man mit "türmen" eher das Ausreißen und Abhauen und weniger das Verschanzen – also genau das, was der Verbrecher mit der Beute gemacht hat!
Ah!

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